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Blogbuch Köln, Tag 2

Blogbuch Köln | Tag 2 | Sonntag, 28. August 2006

Das hirneigene Navigationssystem verlangt Futter: Wo bin ich hier eigentlich? Vorweg das Fazit: mein bohemer Verschlag könnte günstiger kaum liegen. Im Erdgeschoss des Hauses betreibt ein Türke den "Kiosk op dr Eck". Eine Stippvisite später weiß ich, dass

1) der Türke besseres Deutsch spricht als Andy Brehme oder die komplette 7b der Gesamtschule Köln Deutz (sofern es diese gibt)

2) ich zum Budweiser kaufen nur ein paar Treppen steigen muss - das edle Fluidum hier allerdings auch harte Währung kostet: 1,20 die Flasche.

Bier allein macht die Lage aber nicht herrvorragend. Wohl aber: die oberirdische U-Bahn-Haltestelle ist zirka 10 Sekunden Fußweg vom Hauseingang entfernt ohne lärmender Weise zu stören. In die Innenstadt dauert es 5 Minuten - dort liegen Dom, Redaktionsbüro und Einkaufskilometer kuschelig nah beieinander.

In diesem Epizentrum verbringe ich den Sonntag: zunächst ein englischsprachiger Gottesdienst (fast so gut wie Friends), danach ins wirklich wunderbare Käthe-Kollwitz-Museum. Anschließend besinne ich mich auf meine Wurzeln im Arbeitermilieu und entsteige dem hochkulturellen Glamour hinab zur Bürgernähe: auf der Biermeile am Neumarkt gibt es ein belgisches Abteibier (6,5 Volumenprozent, Geschmack: geht so) und die erste Spezialität der Heimat auf Zeit: Reibekuchen. Ich Kartoffelpufferossi greife zum weißen Granulat, doch statt des vermuteten Zuckers enthält die Dose Salz - Resultat: ungenießbar. Das Gegengift kostet knapp vier Euro und heißt "Doppel-Whopper mit Extra-Käse". Beim ersten Biss spüre ich Heimat - schmeckt wie in Dresden. Wärehnd ich mich weiter durch den Whopper arbeite, analysiere ich die Zukunftschancen der Fastfoodindustrie: in einer globalisierten Welt voller Cosmopoliten werden McD & Co siegen. Denn selbst der mobilste Nomade auf Speed dürstet stets nach Heimat. Bisher sind die großen Fastfood-Ketten die einzigen globalen Feilbieter vertrauten Geschmacks. Gleich ob in New York, Dresden, Köln oder Weinböhla: der Whopper schmeckt. Danke, Burer King.

Auf dem Heimweg treffe ich ihn wieder, den betrunkenen Russen - mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben. Sie, die Ausgaben, sollen für sich genommen nicht zu lang sein - daher die Vertröstung.

tschö
cop
30.8.06 17:56


Blogbuch Köln, Tag 1

Blogbuch Köln | Tag 1 | Samstag, 27. August 2006


Zugfahrten ziehen sich. Gut sechseinhalb Stunden hat die Bahn für meine Fahrt nach Köln eingeplant. Das einzige Umsteigen steigt in Mainz - Zeitfenster: 5 Minuten. In der Fahrplanmeisterei muss es Kaschperle zum Frühstück gegeben haben - 5 Minuten Verspätung sammelt ein ICE doch schon auf dem Weg vom Hauptbahnhof nach Weinböhla ein!?

Bis Mainz sammeln sich sodann 15 Minuten an. Der Anschlussaufenthalt warte auf uns, versichert ein mir ein nach mittelschweren Alkoholika geradezu "duftender" Bahnangestellter. Zum akademischen Viertel schlagen sich an der Umsteige noch weitere Mainzer Minuten. Denn obwohl Mainz gefühlt nicht mehr lebenden Menschen Heimat sein kann als Weinböhla, liegen die Hauptbahnhofsgleise dutzende Waggonlängen auseinander. Einmal mehr beweise ich mich als Charmeur der alten Schule: selbst mit vier (!) Gepäckstücken beladen, nehme ich einer älteren Dame auch noch die Reisetasche ab - in der Eile pumpert ihr Doppelherz spürbar schlaganfällig.

In Köln angekommen wartet das nächste Omaboy-Happening: meine Vermierterin. Eine herzliche, alleinstehende Frau Anfang Sechzig. Der Mann: weggelaufen, die Tochter: Sozialistin. Die Dame ist reinlichkeitsliebend, kulturaffin und politisch in bester "Die da oben"-Laune. Ich Straßenpunk nehme mich zusammen und brech auch das Herz dieser stolzen Frau: nach zwei Stunden bietet mir Ingrid das Du an und ist meinen Kochkünsten hoffnungslos verfallen - mit der aufwandsarmen Napoli-Tomaten-Zwiebel-Kombination habe ich sie sicher im Sack.

Kurz vor Ladenschluss geht's noch in den Plus: meine Lebensbasis, Fixe aus den Häusern Knorr und Maggi, kostet hier 99 Cent pro Beutel - meine Essgewohnheiten muss ich in Folge wohl umstellen. Die Wucht der Lebenshaltungskosten vermag die Gunst der Stunde aber nicht zu trüben. Denn ich treffe IHN: den besoffenen Russen. Mehr dazu in Folge zwei des Blogbuches.

tschö
cop
30.8.06 17:27





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